Wahrscheinlichkeit
Bedingte Wahrscheinlichkeit & Bayes
15 Min.
Lernziele
- •Sie können bedingte Wahrscheinlichkeiten korrekt von ihren Umkehrungen unterscheiden.
- •Sie können die Bayes-Formel intuitiv über eine hypothetische Kohorte ableiten.
- •Sie können erklären, warum bei seltenen Krankheiten ein zweiter Bestätigungstest unverzichtbar ist.
P(Krank | Test positiv) – PPV
7.5 %
7.20 von 96.5 positiven Befunden sind echt.
P(Gesund | Test negativ) – NPV
99.9 %
903 von 904 negativen Befunden sind echt.
Frequenz-Baumdiagramm
Eine Kohorte von 1'000 Personen, schrittweise zerlegt.
2 × 2-Kontingenztafel
Wahrer Zustand (Zeilen) × Testergebnis (Spalten), bei N = 1'000.
| Test + | Test − | Σ | |
|---|---|---|---|
| Krank | 7.20TP | 0.80FN | 8.00 |
| Gesund | 89.3FP | 903TN | 992 |
| Σ | 96.5 | 904 | 1'000 |
Bayes-Formel mit eingesetzten Werten
Wir suchen P(Krank | +) = P(+ | Krank) · P(Krank) / P(+).
P(D | +) = 90.0 % · 0.80 % / [90.0 % · 0.80 % + 9.0 % · 99.2 %]
P(D | +) = 0.0072 / [0.0072 + 0.0893]
P(D | +) = 7.46 %
Dot-Grid: 1'000 hypothetische Personen
Jeder Punkt steht für eine Person. Die richtig positiven sind das, was wir suchen – die falsch positiven sind das Problem.
TP – richtig positiv (7)FN – falsch negativ (1)FP – falsch positiv (89)TN – richtig negativ (903)
Was sagt uns das?
- →Grundratenvernachlässigung: Obwohl die Sensitivität bei 90.0 % liegt, sind weniger als die Hälfte der positiven Befunde echt. Das ist der Effekt der seltenen Krankheit – die meisten positiven Resultate sind falsch-positiv (89.3 von 96.5).
- →Erhöht man die Prävalenz – etwa durch gezieltes Screening einer Risikogruppe – steigt der PPV oft dramatisch, obwohl die Testgüte gleich bleibt. Genau deshalb sind Massenscreenings bei seltenen Krankheiten heikel (Gigerenzer & Hoffrage 1995).